Sonntag, 30. Oktober 2011

Wie die Rentenversicherung die Schwächsten im Stich lässt

Berufsunfähigkeit

Ein Schlaganfall, eine schwere Depression, ein chronisches Rückenleiden. Wer seinen Job vorzeitig aufgeben muss, darf auf Hilfe vom Staat nicht hoffen. Nur mit privater Vorsorge lässt sich das Schlimmste verhindern.

Wer kann sich noch an Karsten Bäron erinnern? Richtig: Der Fußballer absolvierte zwischen 1992 und 2000 exakt 124 Spiele für den HSV, schoss dabei 39 Tore und war auf dem Sprung in die Nationalmannschaft. Doch nach acht Knieoperationen und einem vergeblichen Comeback-Versuch kam das frühe Karriere-Aus.

So wie Bäron ergeht es vielen: Krankheit oder ein Unfall beenden das Berufsleben vorzeitig – oft von einem Tag auf den anderen. Anders als Fußballer und andere Profisportler, die schon größere Summen verdient und sich ein Polster geschaffen haben, stehen viele Angestellte, Selbstständige und Freiberufler dann im finanziellen Abseits. Denn die Miete läuft weiter, Kreditraten sind fällig, die Ausbildung der Kinder kostet, und der ganz normale Lebensunterhalt – oft für eine komplette Familie – verschlingt stattliche Beträge.

Die gesetzliche Rentenversicherung allerding trägt kaum dazu bei, dass ihre Mitglieder in solchen Fällen über die Runden kommen. Wer krank wird und seinen Job vorzeitig an den Nagel hängen muss, den lässt der Staat weitgehend allein. Mit durchschnittlich 750 Euro ist selbst der Höchstsatz der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.

Zu den finanziellen Folgen kommen meist noch psychische und soziale: Wer sich weitgehend über beruflichen Erfolg definiert, orientiert sich nach einem plötzlichen Aus nur sehr schwer neu.

Deutsche kaum versichert

Trotzdem sichern sich die Bundesbürger gegen solche Gefahren eher schlecht ab. Nur knapp ein Drittel hat eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU), die meisten verdrängen die Risiken. Häufiges Argument: Ich habe einen Bürojob – da sind dauerhafte Schäden unwahrscheinlich. Von wegen. Die Zeiten, in denen schwere Erkrankungen nur Handwerker trafen, sind lange vorbei. Heute klagen gerade Angestellte mit sitzender Tätigkeit über Haltungsschäden, doch vor allem psychische Erkrankungen führen zu Berufsunfähigkeit.
Aber sind nicht in erster Linie Ältere gefährdet? Auch dieses Standardargument ist nicht stichhaltig: Schon junge Menschen können so schwer erkranken, dass sie den Job quittieren müssen. Und Unfälle – auch wenn sie weniger als zehn Prozent der Berufsunfähigkeitsfälle ausmachen – passieren ohnehin in jedem Alter.


Frühzeitiger Beginn lohnt sich!

Wer sich mit einer Berufsunfähigkeitspolice für den Fall der Fälle eine Rente sichern will, sollte das möglichst früh tun. Vorteil: Die Chancen, den obligatorischen Gesundheitscheck zu bestehen, sind in jungen Jahren am besten – und wer den Test erfolgreich absolviert hat, muss ihn nicht mehr wiederholen. Auf keinen Fall sollte der Antragsteller dabei allerdings schummeln, denn schon selbst als „Flunkereien“ eingeschätzte Falschangaben können später den gesamten Versicherungsschutz kosten. Zwar ist das Rücktrittsrecht der Versicherer nach zehn Jahren in der Regel ausgeschlossen, doch das sollte niemanden zu falschen Angaben über seinen Gesundheitszustand verleiten. Denn wenn der Kunde vorsätzlich Erkrankungen oder Verletzungen verschwiegen hat und die Gesellschaft das nachweisen kann, ist eine Kündigung immer möglich – selbst wenn die Versicherung auf ihr Kündigungsrecht verzichtet hatte. In solchen Fällen der arglistigen Täuschung muss die Assekuranz dann keine Leistungen erbringen.

Wichtig ist auch, bei der Vereinbarung der Rente einen realistischen Absicherungsbedarf für den Ernstfall zu Grunde zu legen. Als grobe Faustregel gelten 75 Prozent des Nettoeinkommens, aber bei hohen laufenden Belastungen oder geringen persönlichen Reserven können durchaus höhere Beträge angebracht sein. Policen mit dynamisierten Beiträgen können ebenfalls sinnvoll sein. Bei solchen Modellen steigen in regelmäßigen Abständen die Prämien, aber auch die Rentenansprüche, die damit einen gewissen Inflationsschutz bieten. Hilfreich ist auch eine Nachversicherungsoption, um beispielsweise bei Heirat oder Geburt eines Kindes den Schutz auszubauen.



Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder ein Burn-out treten nicht nur häufiger auf als in früheren Jahren – sie führen auch öfter zur Frühverrentung



Auf optimale Laufzeit achten

Neben wahrheitsgemäßen Angaben zur Gesundheit und der angemessenen Rentenhöhe ist schließlich auch die Laufzeit des Vertrags von Bedeutung. Sie sollte möglichst so bemessen sein, dass sie bis zum Beginn der regulären Rente reicht – dann können keine Lücken in der Versorgung auftreten.



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